Spitze Feder

 

krois federVon Komm. Rat Hannes Krois

Einzig beim Fußball geht es noch national-euphorisch zu. Ich spreche von Österreich. Die anderen Staaten auf dieser Welt leben ohnehin selbstbewußt ihre nationale Identität. Die Deutschen als Wirtschaftslokomotive in der EU verstärkt selbstbewußt. Doch immer dann, wenn andere wollen, werden auch bei unseren Nachbarn die Schatten der Nazi-Verbrechen ins Spiel gebracht. Auf Korsika dagegen feiert man Napoleon an jeder Ecke. Gut drei Millionen hat der kleine Korse als selbsternannter Kaiser der Franzosen unter die Erde gebracht.
Napoleon hat auch unser Europa ordentlich zerlegt. Von der Zerstörung des Grazer Schloßberges bis auf den Uhrturm, brauchen wir gar nicht sprechen. Von Stalin mit so vielen mehr Millionen Toten spricht niemand.
Legendär sprach der weise Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky zu einem Journalisten: „Lernen Sie Geschichte“. Der jüdische Kreisky war in seiner Form bislang die allerbeste Option für Österreich. Als Jude war er ein außenpolitischer Vermittler und bester Freund mit den Arabern. Und Kreisky suchte und fand die Freundschaft zu den Freiheitlichen. Im Zuge einer Minderheitsregierung mit der FPÖ wurde Kreisky Bundeskanzler. Mit Fred Sinowatz änderte sich einiges und Kurt Waldheim wurde mit dem Müll aus der Nazi-Zeit beworfen.
Aber das ist schon wieder Geschichte.....Und ich glaube nicht, daß die heutigen jungen politisch Engagierten über all die Netzwerke der politischen Entwicklung Österreichs im Bilde sind. Jedenfalls wählen die Österreicher im Herbst die neue Regierung. Und Österreich wird sich dabei neu orientieren müssen. Die Sozialdemokraten in Wien haben noch vor einem Jahr den burgenländischen Landeshauptmann Hans Niessl „verteufelt“. Weil er eben das einzig Richtige gemacht hat und im Burgenland die Freiheitlichen nicht ausgegrenzt hat. Schlußendlich sind die Freiheitlichen ja keine „Aussätzigen“, sondern Wähler und Politiker einer demokratischen Partei. Diesmal wird es wohl nicht vorkommen, wie bei Sinowatz damals, daß Österreicher auf eine sogenannte „Watch-List“ der USA gesetzt werden. Oder wie bei Klestil, daß Österreich in der EU mit unglaublichen Sanktionen und Verleumdungen behaftet wird. Ich war damals hautnah in Brüssel dabei und mußte mitanhören wie die grüne EU-Mandatarin Mercedes Echerer mit Kopftuch über die Auferstehung des Nazi-Regimes referierte. Weil eben Haider mit Schüssel die schwarz-blaue Koalition gestartet hatte. Noch nicht so lange her, aber dennoch Geschichte.
Gegenüber der heutigen Gegenwart hatten wir in all diesen Jahren dennoch „lustige Zeiten“. Die Zeitungen erfüllten ihre Informationspflicht in durchaus professioneller Form. Heute werden unglaubliche „Ausdünstungen“ quer durch Facebook von Nobody zum Nirwana geschickt. Im Schatten dieser Entwicklung haben die Menschen verlernt zu schreiben. Sie „tippseln“ unentwegt.
Gut, daß es dennoch noch irgendwo einen Stammtisch in einem Gasthaus gibt. Dort werden noch Geschichten erzählt. Vielleicht auch ein wenig Geschichte, wie es Bruno Kreisky schmunzelnd gemeint hat.

Süd-Ost Journal

"Für die Menschen, für die Region"