Im Blickpunkt: Elisabeth Kindermann („Montgolfiere“ aus Bad Waltersdorf)

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Aus der Kraft der Seele und des Herzens wurde Elisabeth Kindermann zu einer der weltbesten Heißluftballon-Pilotinnen. Aus der Kraft der Seele und des Herzens wurde Elisabeth Kindermann zu einer der weltbesten Heißluftballon-Pilotinnen.

Elisabeth Kindermann und die Faszination der Ballone

Die Brüder Montgolfiere haben den Heißluftballon erfunden. Was am 4. Juni 1783 in Frankreich als waghalsiges Experiment begann, sollte als die Erfindung des Heißluftballons in die Weltgeschichte eingehen. Trotzdem war die Sache damals wahrlich brandgefährlich. Seitdem werden alle „überlebenden“ Erstlingsfahrer nach altem Brauch geadelt. Elisabeth Kindermann hat die Faszination fürs Ballonfahren sozusagen schon mit der Muttermilch eingeflößt bekommen. Das Ballonfahren war seit der Kindheit immer dabei und erzeugte jede Menge Begeisterung für das sanfte Gleiten über Täler, Hügel und ferne Landschaften. Sozusagen Faszination pur. Die Sicherheit beim Ballonfahren liegt in der Perfektion. Dabei ist jeder Fehler fatal und auch tödlich. Mit dieser inneren Perfektion hat Elisabeth Kindermann zu leben gelernt. Und auch fürs Leben zu lernen. Recht geschwind wie der Wind absolvierte Elisabeth in Graz ihre Studienrichtungen Russisch und Psychologie.
Als Psychologin arbeitet die aktive junge Frau derzeit in einem Hartberger sozialpsychiatrischen Wohnhaus. Unternehmerin ist sie zugleich seit 2014 mit ihrem eigenen Heißluftunternehmen in Bad Waltersdorf. Jährlich nimmt Elisabeth Kindermann an den Staats- und Weltmeisterschaften der Welt-Ballon-Elite teil. Mittlerweile zählt sie zu den weltweit besten Ballon-Pilotinnen. Ihr Verlobter Thomas ist ebenso ein Heißluftballon-Profi. Somit wird die allermeiste Freizeit den Fahrten mit den Heißluftballons gewidmet. Unbeschreiblich ist das Gefühl im Korb des Heißluftballons. Ein Blick wie auf eine Modelleisenbahn-Landschaft. Man spürt den Duft der Erde und Schleusen für bislang schlummernde Glücksgefühle öffnen sich. Man bewegt sich zwischen Himmel und Erde. Es ist schöner als Fliegen. Elisabeth Kindermann nimmt auch gerne „Heißluftballon-Frischlinge“ in ihrem Ballon mit. Ein Erlebnis der unvergeßlichen Art.

Der Thermenregion-Heißluftballon ist mit der riesigen Werbefläche ein gewaltiger Werbefaktor über der Hügelwelt des Thermenlandes.
Das Ballonfahren hat speziell auch im Winter ganz besondere Reize. Einfach fantastisch!
Das Befeuern ist wichtig für die Erzeugung von heißer Luft. War früher brandgefährlich.

von Elisabeth Kindermann
Mein Name ist Elisabeth Kindermann und ich bin 28 Jahre alt. Momentan lebe und arbeite ich in Bad Waltersdorf. Ich bin in Hartberg zur Schule gegangen und habe anschließend in Graz Russisch und Psychologie studiert. Mein Russisch Studium habe ich 2014 und das Psychologie Studium im Jahr 2015 abgeschlossen. Momentan mache ich gerade meine postgraduelle Ausbildung zur klinischen Psychologin. Um diese Ausbildung abzuschließen und die nötige Erfahrung zu sammeln, arbeite ich derzeit als Psychologin in einem sozialpsychiatrischen Wohnhaus in Hartberg für 25h pro Woche.

Meine Hauptbeschäftigung liegt jedoch in einer völlig anderen Sparte. Ich betreibe seit 2014 ein Heißluftballonunternehmen. Neben zahlreichen Fahrten mit Gästen in ganz Österreich, sind wir sehr oft für unsere Partnerfirmen unterwegs um österreichweit Werbung zu machen. Ein Ballon bietet eine riesige Werbefläche und ist bei vielen großen aber auch kleinen Firmen als Werbemittel sehr beliebt. Zudem führen wir ein Unternehmen zur Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit von Ballonen in Österreich und der Schweiz und sind somit für die Überprüfung und Wartung von über 200 Ballonen verantwortlich. Unsere eigene Ballonflotte umfasst insgesamt 23 Ballone.
Wie ich dazu gekommen bin, ist eine der häufigsten Fragen, die mir immer wieder gestellt wird. Ich bin damit aufgewachsen und für mich wäre ein Leben ohne Ballonfahren so undenkbar wie ein Leben ohne Auto. Unsere Firma gibt es bereits seit 30 Jahren. Mein Vater hat diese im Jahr 1986 gegründet und bis 2014 erfolgreich geführt. Seit ich denken kann habe ich meinem Papa immer beim Ballonfahren geholfen, bin mit ihm mitgefahren, habe ihm bei Reparaturen und Ballonüberprüfungen geholfen und bin somit in das Ballonfahrerleben und in die Arbeit in unserer Firma hineingewachsen.

Im Jahr 2007 habe ich selbst den Ballonfahrerschein erhalten. Nach einem weiteren Jahr und ca. 150 Ballonfahrten habe ich die Prüfung zur gewerblichen Personenbeförderung abgeschlossen, um auch mit Gästen Ballonfahren zu dürfen. Im Jahr 2012 absolvierte ich die Prüfung zum Luftfahrzeugwart für Ballone sowie die Heißluftballonlehrerprüfung. Nach dem Tod meines Vaters habe ich die Firma im Mai 2014 übernommen. Mein Russisch Studium hatte ich zum damaligen Zeitpunkt bereits abgeschlossen, allerdings war ich zum damaligen Zeitpunkt noch mitten in meinem Psychologie Studium. Die kommenden eineinhalb Jahre bis zum Abschluss dieses Studiums waren eine sehr schwere Zeit für mich, aber auch für meine Familie und Freunde. Neben der Arbeit in der Firma standen noch Prüfungen und schließlich die Abschlussarbeit und die darauffolgende Prüfung an. Ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Familie und meiner Freunde hätte ich beides wohl nicht unter einen Hut bringen können.
Mittlerweile habe ich mich an die Arbeit in der Firma und die parallel laufende Ausbildung gut gewöhnt. Es ist zwar jeden Tag eine neue Herausforderung, jedoch macht mir sowohl die Arbeit als Psychologin als auch die Arbeit mit dem Ballonfahren sehr viel Spaß und ich glaube, dass es das Wichtigste im Leben eines jeden Menschen ist, dass man eine Erfüllung in seiner Arbeit sieht und man nur dann erfolgreich und glücklich sein kann. Ich erlebe immer wieder, dass mich Freunde oder Bekannte völlig ungläubig fragen, wie sich das alles ausgehen kann und ob ich nicht glaube, dass ich mich verausgabe oder Gefahr laufe ins Burn Out zu schlittern. Da mir meine Arbeit jedoch sehr viel Spaß macht, empfinde ich keinen Streß sondern positive Herausforderung.
Die Faszination fürs Ballonfahren lässt mich auch in meiner Freizeit nicht los. In unserem traditionsreichen Ballonverein, den es bereits seit 35 Jahren gibt bin ich seit zwei Jahren Obfrau und wir organisieren immer wieder kleinere und größere Ballonfahrertreffen in Bad Waltersdorf. Zudem bilden wir als eine von zwei verbleibenden Vereinsschulen in Österreich jährlich zwischen 7 und 10 Ballonfahrer aus. Die Arbeit mit den jungen Ballonfahrern macht sehr viel Spaß, da es mich immer wieder sehr freut, die Begeisterung und Faszination am Ballonfahren weiterzugeben. Auch meinen Urlaub verbringe ich, wie sollte es anders sein, mit Ballonfahren. Jährlich nehme ich an drei bis fünf Meisterschaften auf der ganzen Welt teil. Bei diesen Meisterschaften geht es um die Genauigkeit und darum, dass man die vorherrschenden Winde optimal ausnutzt, um bestmöglich zu den vorgegebenen Zielen zu kommen. Die Meisterschaften sind für uns eine optimale Abwechslung zu den alltäglichen Fahrten mit Gästen, da man dabei auch oftmals an seine Grenzen geht und man jedesmal sehr viel dazulernt. Ein weiterer großartiger Aspekt ist, dass man dabei viele unterschiedliche Gegenden und Ballonfahrer aus aller Welt kennenlernt. Dabei sind bereits viele internationale Freundschaften entstanden. Im heurigen Jahr waren wir in Japan bei der Weltmeisterschaft in der allgemeinen Klasse, in Litauen bei der Damen Weltmeisterschaft, in Tschechien bei der tschechischen Meisterschaft sowie bei der österreichischen Staatsmeisterschaft in Puch bei Weiz. Für nächstes Jahr stehen auch wieder einige Bewerbe an, darunter die österreichische Staatsmeisterschaft in Großsiegharts im Waldviertel, die Europameisterschaft in Frankreich sowie die Damen Europameisterschaft in Polen.
Auch mein Lebensgefährte und Verlobter Thomas Schön ist ein begeisterter und sehr erfolgreicher Ballonfahrer und ist auch bei allen Meisterschaften dabei. Dabei arbeiten wir zwar immer zusammen, fahren jedoch gegeneinander. Thomas wurde heuer steirischer Landesmeister, dritter bei der Staatsmeisterschaft, belegte Platz zwei bei der slowenischen Meisterschaft und konnte die tschechische Meisterschaft in einem sehr guten internationalen Teilnehmerfeld gewinnen. Die Liebe zum Ballonfahren ist auch Thomas in die Wiege gelegt, auch er stammt aus einer Ballonfahrerfamilie und auch er übernahm im Jahr 2004 nach dem Tod seines Vaters die Ballonfima. Sein Vater war der einzige Heißluftballonproduzent in Österreich und stellte selbst knapp 100 Ballonhüllen her. Auch Thomas hat seinen eigenen Heißluftballon konstruiert und gemeinsam mit seiner Mutter genäht.
Es ist wunderbar einen Menschen an seiner Seite zu haben, der einen versteht und mit dem man die Freude am Leben sowie das gemeinsame Hobby teilen kann. Häufig stößt unsere Geschichte bei Leuten für Verwunderung und viele verstehen nicht, dass wir so gerne mit dem Ballon unterwegs sind und selten „normale“ Dinge machen, die andere in unserem Alter gerne machen, wie zum Beispiel ausgehen oder fernsehen. Für uns ist es mehr als ein Hobby, es ist eine Leidenschaft und ein großer Teil unseres Lebensinhaltes und wir finden es gut, so wie es ist.

Süd-Ost Journal

"Für die Menschen, für die Region"