Frauenleben/Im Blickpunkt Maria Ploder (Diplom-Som­me­li­è­re & Biokulinarik-Spezialistin)

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Maria Ploder ist diplomierte Som­me­li­è­re und ein besonderes Geschmackserlebnis für sie sind die Amphoren-Weine. Maria Ploder ist diplomierte Som­me­li­è­re und ein besonderes Geschmackserlebnis für sie sind die Amphoren-Weine.

Der Weinbau Ploder-Rosenberg in St. Peter/Ottersbach ist unter Fachleuten ein Begriff. So wie die Pflanzen und Früchte in der Permakultur wachsen und gedeihen. So können auch Menschen unter einfachen Verhältnissen aufwachsen. Und dabei mit Freude und innerer Zufriedenheit im harmonischen Glück leben. Maria Ploder hatte eine einfache Kindheit. Gleichzeitig eine sehr glückliche. Denn wenn ein Brot wirklich gut ist, dann braucht man nicht einmal eine Butter dazu. Auf kargem Boden wachsen die kräftigsten Pflanzen, der beste Wein und das kostbarste Eichenholz. Maria Ploder ist im Einklang mit der Natur aufgewachsen. Mit all dem Reichtum dieser Blüten- und Pflanzenwelt. Mit dem Blick zu Sonne und Mond und all den Kräften des Himmels.

Maria&Alfred Ploder starteten verstärkt nach ihrer Hochzeit mit dem Weinbau. Die Visionen gingen voll auf. Die Weine steigerten sich in der Qualität und Menge Jahr für Jahr. Die Biodynamik fand sehr bald Einzug in die Bewirtschaftung der Weinberge. Alles in Richtung Natur Pur. Damit die Böden ohne künstliche Düngung ihr Eigenleben in Ruhe und Zeit aktivieren können. Zum Wohle kräftiger Reben und kraftvoller Weine. Das Winzertrio Maria, Alfred und Sohn Manuel konzentrierte sich zudem auf die ganz alten Wurzeln der Weinherstellung. Das langsame Heranreifen der ganzen Beeren in eingegrabenen Tonamphoren zu Wein. Wissen und Zeit sind die Basis für die wunderbaren Amphorenweine, die es bei Ploder zu verkosten gibt. Die Weine nach den alten Kulturen erbringen ein unglaublich neues Geschmacks- erlebnis und dazu Natur Pur.
Am Rosenberg lebt und arbeitet Maria Ploder mit all dem, was so „Mutter Natur“ hergibt. So wurde Maria zur Spezialistin der Konservierung. Ohne Chemie wird hier Obst und Gemüse haltbar gemacht. Durch Fermentieren, Einlegen in Essig, in Sand eingraben usw. Obst und Gemüse aus den Händen von Maria Ploder erhalten dadurch einen unvergleichlichen Geschmack. Ein erlesener Teil eines wunderbaren Essens. Gleichzeitig im Winter Erinnerung und Vision für Sommer und Herbst. Das Allerbeste im Leben benötigt eben seine Zeit.....

Neben der Wein-Bewirtschaftung kümmert sie sich noch leidenschaftlich um die umfangreiche Konservierung ihrer eigenen Lebensmittel.
Das Weingut Ploder-Rosenberg wurde 2006 auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt - denn das Motto ist: „Was Zeit bekommt, kann zu Qualität werden.“
Autarkie ist ihr besonderes Lebensmotto: Frei von synthetischen und sys­temischen Pflanzenschutzmitteln, das was Mutter Natur eben schenkt.

von maria ploder
Aufgewachsen in einer Großfamilie mit vier Geschwistern und ebenso vielen Pflegegeschwistern, war es für mich ganz normal, dass hochwertige Ausgangmaterialien für eigene Speisenzubereitung auf einem landwirtschaftlichen Hof zur Verfügung standen. Meine Eltern führten eine kleine gemischte Landwirtschaft, wo es selbstverständlich war, als Selbstversorger zu leben: Kühe, Schweine, Hühner, Hasen, Katzen und Hund - mit Wiesen, Äcker, Obstgärten sowie großem Gemüsegarten. Da wuchs, was wir zum Essen benötigten und auch für die Wintermonate haltbar gemacht werden konnte - war das nebst Tierhaltung unser Reichtum. Und genau dies prägte meine Liebe zur, und mein Leben im Einklang mit der Natur - meiner „natürlichen” Lebensphilosophie.
Nach der Schule machte ich eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau. 1984 habe ich geheiratet. Wir Ploder´s hatten damals 4 Hektar Tafelobst und 0,5 Hektar Weingarten.
Der elterliche Betrieb wurde von meinem Mann und mir 1986 übernommen und wir begannen, nebst Ausweitung des Obstbaues, Vertragspartner für Traubenzukauf zu suchen. Somit wuchsen die zu verarbeiteten Traubenflächen bis auf 20 Hektar. Dabei war die Qualität immer obers­te Prämisse!
Seit 1993 wird zu 100 Prozent alles als Qualitätswein in Bouteille gefüllt, aus dem Obstbau wurden große Mengen zu Apfelsaft, Apfelmost und Nektare verarbeitet.
Im Jahr 1999 wurde ein neuer Keller mit Verarbeitung und Lagerräumen gebaut. Mit diesem Schritt haben wir uns vom Obstbau verabschiedet und uns zu 100 Prozent auf Weinbau und Wein konzentriert. Die eigenen Flächen wurden zu Weingärten umgebaut und sukzessive kamen neue Pacht- und Zukaufflächen dazu.
Meine Aufgabe im Betrieb war es von Anbeginn, mich um den Verkauf, die Präsentationen und die Verwaltung zu kümmern. Mit der Ausbildung zur diplomierten Som­me­li­è­re wurde mein Zugang zur Internationalen Weinwelt intensivst bereichert.
Unser Sohn Manuel hat neben umfangreichen Praktika in Österreich, Deutschland und Georgien die Weinbaufachschule in Silberberg samt Betriebsleiterlehrgang absolviert und nach dem Sozialdienst als landwirtschaftlicher Betriebshelfer, die höhere Bundeslehranstalt für Obst und Weinbau in Klosterneuburg abgeschlossen. Seit dem Jahr 2014 ist er für die Verarbeitung und die Begleitung der Trauben im Keller verantwortlich.
Tochter Lydia hat die Vinohak in Leibnitz absolviert, ein Jus Studium begonnen und schafft sich viel Leiden und Freude im Ausdauersport.
Mit dem Bau unseres Weinhauses im Jahr 2005 wurden Räumlichkeiten für Verkostungen, Kunst, Kultur und Verwaltung erstellt – laufend werden Vernissagen und diverse Kultur- und Kulinarik Veranstaltungen, aber auch Seminare, Schulungen und Weiterbildungen veranstaltet.
Im Jahr 2006 haben wir das Weingut auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt. Das heißt, die Pflanzenstärkung basiert auf Basis von Kompost, Kompostextrakten, Kalt­auszügen, Kräutertees, Jauchen, Gesteinsmehle, biodynamische und homöopathischen Präparate. Vermehrt geht es um Impulsgebung für die Verlebendigung des Boden bzw. Bodenlebens und zur Aktivierung der Reben. Nur was Zeit bekommt, kann Qualität werden! Spontan vergoren, spontaner biologischer Säureabbau, langes Vollhefe-Lager, Verweigerung von jeglichen Hilfs- und Zusatzsstoffen und viel Zeit für Tank-, Fass-, Amphoren- und Flaschenreife Entschleunigung. Drei Linien bieten die Auswahl für Weingenießer. Feine Klassiker mit Weissburgunder, Morillon, Gelber Muskateller, Sauvignon Blanc und Grauburgunder. Die Premium Weine mit der Bezeichnung LINEA kommen von besonderen Lagen und sind im Spätlesebereich gelesen und in 600 Liter-Holzfässern ausgebaut und gereift. Mit dem Jahrgang 2011 kamen erstmalig unsere Essenzen aus den Amphoren auf den Markt. Diese entstehen in georgischen Qvevris (Tonamphoren), welche in der Erde vergraben sind. Die ganzen Beeren vergären und lagern bis zu 6 Monaten außerhalb des Kellers in den Qvevris. Danach erfolgt die Trennung von den Beeren und vom Saft, welcher anschließend noch eine Reifezeit im Keller bekommt. Für mich ist diese Art von Wein ein neues Geschmackserlebnis, das alle Sinne anspricht und viel Energie sowie Bekömmlichkeit vermittelt.
Rudolf Steiner‘s Anthroposophie und der landwirtschaftliche Kurs für ganzheitliche Wirtschaftskreisläufe inspirierten auch mich. Ausbildungen zur Kräuterpädagogik, Homöopathie, Permakultur und nun die Schaffung einer geschlossenen Hofindividualität sind vor allem das meinige und unsrige.
Der Kreis schließt sich – Unabhängigkeit von Handelsdüngern, syn­thetischen und systemischen Pflanzenschutzmitteln, allen Hochtechnologien und Weinbehandlungsmitteln im Keller stärken meine und unsere Autarkie. Eigene Permahügel, Gemüsebeete, Kräutergärten und Obstbäume, Schafe und Hühner sind Bestandteil meiner Gärten, die auch einen Großteil der Eigenversorgung sichern. Mittels umfangreicher Konservierung, wie essigsauer einlegen, milchsauer fer­mentieren, tro­cknen und pas­teu­risieren sowie in Sand eingraben, ist es uns möglich, gut über den Winter zu kommen. So schließt sich der Kreis für mich, mit einer Reduktion auf das Wesentliche und mit besten Lebensmitteln, täglich frisch auf dem Teller, die Eigenversorgung zu sichern.
Eigenverantwortung ist meine Bürde, jedoch auch der Reichtum zum Lieben vom Leben!

Süd-Ost Journal

"Für die Menschen, für die Region"