Im Blickpunkt Mag. Regina Friedrich / (Logistikerin & Einrichterin mit Perfektion und Stil)

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Die einstige Vizepräsidentin der WKO Steiermark Mag. Regina Friedrich mit ihrem einstigen „Chef“ Präsident Peter Mühlbacher. Die einstige Vizepräsidentin der WKO Steiermark Mag. Regina Friedrich mit ihrem einstigen „Chef“ Präsident Peter Mühlbacher.

von Regina Friedrich
„Ich bin in eine Familie hineingeboren, in der sich alles um einen kleinen Transportbetrieb gedreht hat, der im Laufe der Jahrzehnte dank zäher Aufbauarbeit aller Beteiligten zu einem weiß-grünen Paradebetrieb gewachsen ist. Im großen Familienverband mit Vater, Onkel und Cousins hatten alle ihre klar definierten Aufgaben, die immer auf das Unternehmen fokussiert waren. So war für meine Eltern auch ganz selbstverständlich, dass ich meine Berufsentscheidung nach der Matura und einem Jahr Sprachaufenthalt in Kanada, in Blickrichtung Unternehmen treffe. Persönliche Neigungen und Vorlieben standen niemals zur Diskussion. Der brennende Wunsch, Architektur zu studieren, wich ganz selbstverständlich der Verpflichtung, sich wirtschaftlich in den Familienbetrieb einzufügen. 1988 habe ich mein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Grazer Karl Franzens Universität abgeschlossen und auch gleich Verantwortung bei Frikus übernommen: Als Geschäftsführerin der operativen Gesellschaften der Frikus-Logistik Gruppe für die Bereiche Finanzen, Verwaltung und Projektmanagement und als Vorstand der Friedrich Holding AG.
Der nahtlose Sprung an die Unternehmensspitze nach dem Studium ließ wenig Freiraum für ein Leben abseits des Business, zudem forderte mich damals auch mein kleiner Sohn Martin, der 1985 geboren wurde. Für mich war das Unternehmen Frikus trotzdem in jeder Phase Teil meines Lebens, ich habe meinen Job nie als Beruf, sondern als Berufung gesehen. Auch in Phasen, in denen ich als Frau in einem typischen Männerberuf mitleidig belächelt wurde. Ich habe den Unkenrufern immer Paroli geboten und zum Beispiel die Führerscheine in allen Klassen  (A,B,C,D,E,F, G) gemacht, um niemals Gefahr zu laufen, als Tochter vom Chef nur als hübsche Gallionsfigur zu gelten.
Kein leichtes Unterfangen in einem Unternehmen, das klassisch von männlichen Familienmitgliedern geführt wurde, und in dem ich mich als erste Frau neben meinen Cousins und meinem Schwager behaupten musste. Lange bevor ich in der Familie den Freibrief bekam, für den Job auch als Frau geeignet zu sein, fand ich in der Branche ganz allgemein viel Zustimmung. Dafür mache ich rückblickend nicht nur meinen Fleiß und meine gute Ausbildung verantwortlich, sondern auch mein Durchsetzungsvermögen, über das mich viele als taffe Frau definieren.
Spätestens 1990 wurde meine Kompetenz als  Sachverständige für Warenverkehr und Transportversicherung auch offiziell bestätigt, als Vizepräsidentin der WKO ist es mir zwischen 2005 und 2011 gelungen, als erste Frau an der Spitze die Interessen der heimischen Wirtschaft mit zu vertreten.  Rückblickend war für mich sicher der schönste Erfolg, bis zu 700 Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze und damit Existenzgrundlagen zu bieten. Das schafft man nur, wenn man unermüdlich für die Firma im Einsatz steht und Aufträge an Land zieht. Erfolgreich zu sein ist aber nicht immer ganz einfach, weil der Erfolg auch viele Neider hat, die nur die Fahrzeugklasse vor der Firmentüre sehen, aber nicht das Licht im Büro, das oft die ganze Nacht brennt.

Mag. Regina Friedrich gemeinsam mit Industrie-Chef Mag. Jochen Pildner-Steinburg, LK-Präsident Gerhard Wlodkowski, Sparkassen-Chef Mag. Franz Kerber und LAbg. Alexandra Pichler-Jessenko.
Eine ganz große Beziehung hat Regina Friedrich zu Hunden. Hier am Foto mit „Sir Duke“.
 Die weltgewandte Regina Friedrich als Kongress-Delegierte in Saudi Arabien und Quatar.

Neubeginn 2011

Wie auch immer, Frikus ist Geschichte, seit 2011 hat für mich unternehmerisch eine neue Zeitrechnung begonnen. Mit dem Fernstudium Innenarchitektur und Wohndesign an der Akademie für Erwachsenenbildung in Hamburg habe ich mir mit "Stilfrage" meinen beruflichen Lebenstraum erfüllt. Schwerpunkt meiner Arbeit ist Immobiliendesign bzw. Interior Design für ganz unterschiedliche Zielgruppen. Einfach erklärt: Ich richte gewerbliche Immobilien ein. Hotel-und Beherbergungsbetriebe ebenso wie Ferienanlagen, Studentenheime, Krankenhäuser und auch Boarding-Häuser. Das  sind Apartments auf Zeit, die zum Beispiel international tätige Firmen ihren Projekt-Mitarbeitern zur Verfügung stellen.
Ich arbeite aber auch im Auftrag von Bauträgern mit Investoren, die neue Wohnungen fix und fertig eingerichtet übernehmen möchten. Aber auch privaten Immobilienbesitzern stehe ich gerne zur Verfügung, wenn sie ihr Domizil verkaufen möchten.
Es schafft einfach ein perfektes Bild, wenn ich mit einem Team Hand anlege, und alle Räume in einen Optimal-Zustand versetze. Das kann den Verkaufspreis deutlich nach oben schrauben. Auch wenn das sogenannte  "Home-Staging" noch in den Kinderschuhen steckt, die Nachfrage steigt kontinuierlich. Ich bin mit einem ganzen Lager von "Fake-Möbeln" gerüstet, und kann auch leeren Objekten kurzfristig und rasch wohnliches Leben einhauchen. Auch "Baustellen-Staging", ein Trend aus den USA, zählt zu meinen Kernkompetenzen. Dabei verwandle ich völlig rohe Wohnung in unfertigen Neubauten für die Besichtigung in ein behagliches Zuhause, was die Entscheidungsfreudigkeit der Käufer spürbar steigert.
Ich setze mir kreativ keine Grenzen, was ich auch schon an Pilotprojekten bewiesen habe. Zum Beispiel mit der Ausstattung der Ferienanlage "Alpenrock", in der 25 Apartments für Anleger meine Handschrift tragen. Solche Projekte sind auch eine logistische Meisterleistung, schließlich müssen Einrichtungsgegenstände, vom Bett über Spiegel bis hin zum Geschirr, zeitlich punktgenau in großen Mengen geliefert werden. Aber die Logistik beherrsche ich, das habe ich in 25 Jahren im Spedition-und Logistikgeschäft gelernt, was mir heute zugute kommt.
Auch wenn ich der Kopf des Unternehmens bin, ohne meine beiden Mitstreiter, meine Assistentin Ulli und meinen Sohn Martin, er ist diplomierter Architekt und studiert Industrial Design, wäre der Start in ein neues Business nicht so perfekt gelungen. Angesichts vieler beruflicher Herausforderungen bleibt nicht viel Zeit für Hobbys oder Freizeitaktivitäten. Damit ich in Bewegung bleibe, dafür sorgt Pauli, mein Hund, und der ist ganz konsequent, auch wenn ich keine Lust zum Gassi gehen habe!“

Glücklich und kreativ das Stilfrage-Team: Regina Friedrich mit Sohn Martin Friedrich, Ulli Hofer und Vierbeiner Pauli.
In den „Frikus-Zeiten“ leistete Regina Friedrich ihren großen Anteil am Geschäftserfolg.

Süd-Ost Journal

"Für die Menschen, für die Region"